Chapter

1. Kapitel. Der alte Geiger.

Der alte Mann beugte sich weit zum Mansardenfenster hinaus und beobachtete mit tränenumflortem Blick die Abfahrt des Polizeiautos. Sein Hirn war leer, war wie ausgebrannt. Ein weiter Kreis von Neugierigen hatte sich drunten vor der Haustür versammelt, und obwohl das spärliche Licht des düsteren Märztages bereits im Schwinden begriffen war, glaubte Karl Kampert die Augen seiner gehässigen Nachbarn noch hohnvoller und feindseliger als sonst zu spüren. Er trat vom Fenster zurück, schloß es, erschauerte vor Kälte und zog den alten Wintermantel, den er als Schlafrock benutzte, fester um die mageren Glieder. Seine schmale, feine, lange Künstlerhand, die einst mit so vollkommener Virtuosität den Geigenbogen geführt hatte, wühlte nervös in dem ungepflegten, fast weißen Vollbart, während er stumpf und gleichgültig die Unordnung betrachtete, die das Polizeiaufgebot in dem kleinen Zimmer nach der gründlichen Durchsuchung aller Behältnisse zurückgelassen Hatte. Dann blieb sein Blick auf Inas großem Bilde haften, das dort auf dem winzigen Schreibtisch neben dem Eckfenster prunkte. Ja — prunkte. Ein bitteres Lächeln überflog das Patriarchengesicht des einsamen Greises. Der kostbare breite Silberrahmen hatte ihm nie behagt. Derartiger Luxus in der armseligen Behausung eines Unterstüzungsempfängers?!... Die Beamten hatten diesen Rahmen gleichfalls so eigentümlich gemustert. Der alte Kampert

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