Ein Mann Der Winde Nimmt
„Du solltest hier nicht sein", sagte der alte Mann, aber freundlich. „Ich habe diese Mulde ausgesucht, weil hier niemand herkommt."
„Ich bin gekommen", sagte Pia. „Warum bewegen sich die Glöckchen nicht?"
Der alte Mann betrachtete sie. Er hatte blasse, müde Augen.
„Setz dich dann", sagte er. „Ich erzähle es dir, denn du bist offensichtlich die Sorte Mensch, die etwas bemerkt."
Pia stieg in die Mulde hinunter. Sie setzte sich auf einen flachen Stein. Der Mann stellte seinen Tonkrug ab.
„Ich bin — wie würde man das nennen. Ein Wind-Hüter. Es gibt nicht viele von uns. Wir fangen Winde ein, wenn sie Schaden angerichtet haben. Wir halten sie eine Zeit lang. Wir lassen sie los, wenn sie sich beruhigt haben."
„Warum ist DIESER Wind hier?"
„Dieser Wind hat letzten Monat zweihundert Meilen nördlich von hier eine Fischerflotte versenkt. Vierzehn Boote. Alle Mannschaften verloren. Der Wind war sehr, sehr wütend. Ich habe ihn aufgefangen, als er nach Süden zog. Ich halte ihn seit drei Wochen in dieser Mulde."
„Halten ihn?"
„In den Glöckchen. Im Krug. In der Luft um das Zelt. Er beruhigt sich irgendwann. Sie tun das immer."
Pia dachte lange darüber nach.
„Wie lange, bis du ihn loslässt?"
„Noch eine Woche, vielleicht zwei. Ich kann ihn noch nicht freilassen. Er wäre noch zu rau."
„Aber das Dorf — die Mühle steht still. Die Boote können nicht fischen. Die Leute können nichts