Drei Wochen Stille
Seit drei Wochen hatte in Saltgate kein Wind geweht.
Das war noch nie passiert. Das sagten die Erwachsenen. Die Mühle — die auf den Wind angewiesen war — stand still. Die Fischerboote lagen an ihren Vertäuungen, die Segel schlaff herunterhängend. Der Hafen hatte ein seltsames totes Blau, wie ein Spiegel, der vergessen hatte, wofür er da war.
Die Erwachsenen stritten darüber. Manche sagten, es sei das Wetter. Manche sagten, es sei eine stehende Hochdrucklage. Manche sagten, es sei ein Zeichen.
Pia war elf. Sie wohnte in dem kleinen Haus hinter der Mühle, wo der Hintergarten den Hang der Dünen hinauflief. Sie war mit dem Wind aufgewachsen. Sie kannte sein Wetter. Sie kannte seine Stimmungen.
Das war nicht der Wind, der fehlte. Das war etwas anderes.
Der Wind, dachte Pia, war nicht weggegangen. Der Wind war *genommen worden*.
Das war die Sorte Idee, die eine Elfjährige leicht vertreten kann, die aber kein Erwachsener akzeptieren wird. Pia bemühte sich nicht, es jemandem zu erzählen.
Stattdessen tat sie das, was sie immer tat, wenn sie eine Frage hatte: Sie ging spazieren.
Sie ging die Dünen entlang. Sie ging den Klippenpfad entlang. Sie ging um den Hafen. Sie hörte zu.
Sie hatte eine Theorie, die sie nicht ganz erklären konnte. Die Theorie war, dass der Wind, wie alles andere auch, irgendwo herkommen und irgendwo hingehen musste. Wenn er nicht kam, hielt ihn etwas