Der gestohlene Raffael
Ein feiner Regen geht über Paris nieder. Die Seine hüllt sich in graue, dampfende Schleier, der Eiffelturm bricht jäh mit der zweiten Plattform ab inmitten ziehenden Dunstes. Kein Festtag, kein Tag für Sensationen – oh, es ist ein häßlicher, verregneter Vorsommertag. Den berühmten Auktionen in London und in Berlin folgt dennoch gerade an diesem ungemütlichen Tag die Vermont-Auktion. Die Avenue Montaigne, sonst in stiller Vornehmheit träumend, hallt wider von den Signalen der anrollenden Wagen, ein ganzer Haufen von Menschen steht um den Eingang von Nummer Einundzwanzig herum und glotzt und flüstert und zeigt. Die Polizisten gehen in regennassen schwarzen Mänteln hin und her, sie versuchen vergeblich den Eingang freizumachen. Dann und wann sieht man, wie jemand aus einem der Fenster im ersten Stock auf die Straße blickt, die Gardine wird dann jedesmal etwas beiseite gerückt, und ein Gesicht erscheint. Um zehn Uhr sollte die Auktion beginnen, es ist bereits elf, ohne daß man drinnen Anstalten gemacht hätte. Immer noch treffen geladene Gäste ein, die Automobile rutschen das letzte Stück glitschigen Asphalts, ehe sie halten; der Ruck der quietschenden Bremsen beschwört jedesmal einen kleinen Wolkenbruch herauf, der von den Wagendächern strömt. Jedesmal auch ein Anlaß für die Umstehenden, sich fester einzuwickeln und zu brabbeln; ja, sie möchten wohl gern in einem dieser eleganten