Chapter

Der gestohlene Kaktus

»Hören Sie also an«, begann Herr Kubat, »was mir im vergangenen Sommer passiert ist. Ich war in einer gewöhnlichen Sommerfrische; es war dort nicht anders als in anderen Sommerfrischen: kein Wasser, kein Wald, keine Fische, nichts. Nur die Volkspartei war dort stark vertreten. Dann gibt es dort einen Verschönerungsverein mit einem sehr rührigen Obmann, Perlmutterindustrie und ein Postamt mit einer alten, langnasigen Postmeisterin. Also ein Ort wie andere Orte auch. Und als ich mich nun so gegen zwei Wochen lang den wohltuenden und gesundheitsfördernden Wirkungen einer durch nichts unterbrochenen Langeweile hingegeben hatte, bekam ich irgendwie das Gefühl, daß mich die Klatschbasen des Ortes und das, was man die öffentliche Meinung nennt, aufs Korn genommen hatten. Und da meine Briefe so auffallend sorgfältig zugeklebt waren, wenn ich sie erhielt, daß der Umschlag auf der Rückseite von frischem Gummi arabicum nur so glänzte, sagte ich mir: ›Aha, deine Post wird geöffnet; der Teufel hole diese Hexe von einer Postmeisterin!‹ Sie wissen ja – die Leute von der Post können angeblich jeden Briefumschlag öffnen. Na wart nur, sagte ich mir, setzte mich hin und schrieb mit meiner schönsten Handschrift: ›Du Gespenst von einer Postmeisterin, Du langnasige Fuchtel, Du Komet, Du neugieriges Tratschmaul, Du Klapperschlange, Du alte Schachtel, Du Hexe‹ usw. ›Hochachtungsvoll, Johann Kubat.‹

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