Der Gespenster-Bungalow
Wir hatten uns in Bombay bei Watson kennen gelernt und später in Benares in Clarks Hotel wiedergesehn. Wir hatten in Agra in demselben Hotel gewohnt, und jetzt trafen wir uns mitten im Gebirge. »Wirklich ein tolles Stück!« meinte Oberst Butler und schüttelte uns die Hand. Ich sage: Mitten im Gebirge. Nehmt eine Karte von Indien und legt den Finger auf Darjeeling. Fahrt mit ihm nach Nordwesten – nach der Grenze von Nepal. Da werdet ihr eine Straße finden, eine große Straße, die aus dem Gebirge kommt und nach der Ebene hinunterführt. Der Verkehr auf der Straße ist heute gleich null. Streckenweise existiert sie überhaupt nicht mehr. Oben ist sie noch vorhanden. Windet sich in hundert Krümmungen zum Paß hinauf. Aber man konnte es verstehn, daß der Oberst sie einen Schandfleck für die ganze anglo-indische Verwaltung nannte. Denn die Straße war miserabel, und wir verdankten es nur unsern kleinen, tibetanischen Ponys, daß wir nicht ohne weiteres den Hals brachen. Der Weg lief auf steilen, schmalen Bergrücken entlang, kletterte die kahlen Felskuppen hinauf und tauchte wieder hinab, in tiefe, feuchte Wälder aus Eichen, Lorbeeren, Kastanien, Zimtbäumen. Oder es ging im trocknen Bett eines Gebirgsbachs weiter. Rechts und links Bambusrohr oder baumhohe Rhododendren und Magnolien. Unsere Gäule stampften durch Barrikaden von blutroten und weißen, faustgroßen Blüten, die abgefallen waren und