Chapter

Der Geisterfelsen im Baikal-See

Der Zug, der den Gefangenentransport nach dem Gouvernement Irkutsk im südlichen Sibirien bringen sollte, hielt mitten in der Nacht auf einer kleinen Station. Tagelang war er vorher durch endlose Steppen gerollt, auf denen die Frühlingswärme das erste Grün hervorgelockt hatte. Von all den wackeren deutschen und österreichischen Soldaten, die diese qualvolle Reise, eingepfercht in übelriechende Güterwagen ältester Bauart, mitmachen mußten, ahnte niemand, wo man sich eigentlich befand. Die russischen Wachmannschaften, die den Zug begleiten, ungebildete, halb vertierte Kosaken einer älteren Jahresklasse aus den Kirgisen-Steppen nördlich des Kaspischen Meeres, verstanden nicht ein Wort deutsch. Und auch das Zugpersonal hatte allen Fragen gegenüber nur ein unfreundliches Achselzucken oder ein rohes Schimpfwort bereit. Der vorletzte Wagen war der einzige, der früher einmal, als die russischen Eisenbahnen ihre Schienenstränge noch nicht bis zum Stillen Ozean durch ganz Sibirien vorgeschoben hatten, zur Personenbeförderung gedient hatte. In seinen engen Abteilen waren einige zwanzig kriegsgefangene Offiziere untergebracht worden, die besonders streng bewacht wurden. Auch diese wußten nicht, ob die Marter dieser Eisenbahnfahrt bald ein Ende nehmen würde. Niedergedrückt von dem Gedanken, in Gefangenschaft – wenn auch ohne eigene Schuld – geraten zu sein und dem bedrängten Vaterlande

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