Der Brief aus Rügen
Wir hatten damals ein paar Erholungstage wirklich nötig. Das ebenso interessante wie vielseitige Problem, das ich unter dem Titel »Der Traum der Lady Gulbranor« im vorigen Band geschildert habe, hatte selbst Haralds robusten Nerven ein wenig geschadet. Wir erholten uns jedoch in dem behaglichen Heim der Lady in Bawalar sehr schnell, und nach fünf Tagen meinte Harst morgens zu mir, daß es nun wohl an der Zeit sei, an die Heimreise zu denken. Gerade an diesem Tage erreichte uns dort in der kleinen Residenz des Fürstentums Bawalar am Nordrande der indischen Thar-Wüste ein Brief eines deutschen Gutsbesitzers. Dieses Schreiben war vier Wochen unterwegs gewesen. Die ursprüngliche Adresse »Harald Harst, Berlin Schmargendorf, Blücherstraße 10« war von Haralds Mutter ergänzt worden. So erhielten wir den Brief denn einen Monat später hier in Bawalar. — Während ich dies niederschreibe, liegt Herrn von Platens Brief neben mir. Ich gebe ihn also wortgetreu wieder: Rittergut Sellinhof, Post Seebad Sellin, Insel Rügen, den 8. Mai 192 … Sehr geehrter Herr Harst! Sie werden gestatten, daß ich Ihnen Mitteilung von höchst eigentümlichen Vorgängen mache, für die ich keine einleuchtende Erklärung finde. Sollte Ihre Zeit es zulassen, einmal einige Zeit auf einem ländlichen Besitz zuzubringen, so sind Sie und Ihr Freund Schraut hiermit freundlichst zu mir eingeladen. Vielleicht interessiert Sie das,