Erstes Kapitel
m geisterhaften Nebel schob sich das mächtige Schiff langsam vorwärts. Milchfarben stand die unendliche Schicht in weicher, schwebender Fülle rings um die Bordwände. Es war weder Tag noch Nacht. »Wenn Finsternis weiß wäre, könnte man von weißer Finsternis sprechen,« sagte Gheude und zog den Gummimantel dichter zusammen. Hanns Ingold gab keine Antwort. Plötzlich brüllte die Sirene markerschütternd. »Man bekommt Nerven,« sprach der Belgier lachend, und Gheude legte die Hand auf Ingolds Arm und fuhr fort: »Genug der blassen Aussicht. Wir wollen hinuntergehen und eine Flasche ausstechen. Heute abend hat unser Zusammensein doch ein Ende.« »Wissen Sie, was das ist?« fragte Ingold, ohne die Aufforderung zu beachten. Er zeigte über die Reling in die Dunstschicht. Der Nebel war jetzt von der sanften Leuchtkraft eines Opals. Doch er blieb für das Auge undurchdringlich, und die dunklen Wogen des Ärmelkanals waren nicht einmal hart am Kiel zu erblicken. Im Innern des Schiffes wurden die Lichter eingeschaltet, und nun färbten goldrote und rosige Töne die Nebelhülle, in der die »Ville de Bruxelles« wie auf der Fahrt ins Geisterland dahinglitt. Wieder brüllte das Nebelhorn, und der mächtige Schrei wurde abermals von den schweigenden Dunstmassen aufgeschlürft und erstickt. Gheude folgte Ingolds ausgestreckter Hand, die fest und bestimmt ins Nebelbräu deutete. »Ich sehe überhaupt nichts.