Der gefesselte Prometheus
Der gefesselte Prometheus Personen: Kratos und Bia (Kraft und Gewalt), Riesengestalten Hephaistos Prometheus Chor der Okeaniden Okeanos Io, Inachos' Tochter Hermes Kratos: Wir stehn am fernsten Saum der Welt, dem skythischen Gelände jetzt, in unbetretner Einsamkeit. Hephaistos, du wirst eingedenk jetzt sein des Amts, Das dir der Vater übertrug, den Frevler hier In diamantner Fesseln unlösbarem Netz Hoch anzuschmieden auf den gipfelsteilen Fels. Denn deines Kleinods, wunderkünstlichen Feuers, stahl Er einen Funken, gab ihn preis den Sterblichen. Den Frevel soll er büßen jetzt den Ewigen, Auf daß er lerne, sich Kronions Herrentum Zu fügen, seiner Menschengunst Einhalt zu tun. Hephaistos: Gewalt und Kraft, euch beiden hat jetzt Zeus' Gebot Sein Ziel und Ende, weitres bleibt euch nichts zu tun. Ich aber selbst, ich zittre, den verwandten Gott Mit Gewalt zu schmieden an ein unwirtbar Geklüft; Und dennoch zwingt Notwendigkeit mich, so zu tun; Des Vater Wort mißachten ist die schwerste Schuld. Hochsinnger Sohn der rateskundgen Themis, dich Gezwungnen muß gezwungen ich in Ketten jetzt Unlösbar schmieden an den menschenöden Fels, Wo nie Gestalt, nie Stimme eines Menschen dir Sich naht, vom glühnden Strahl der Sonne dir versengt Der Glieder blühnde Kraft dahinwelkt, bis ersehnt Dir dann den Tag einhüllt die buntgewandge Nacht, Dann fort den Frühreif wieder schmilzt der Sonne Blick.