Chapter

Der Gefangene im Kaukasus

Im Kaukasus diente ein Offizier namens Schilin. Eines Tages erhielt er einen Brief von Hause. Seine alte Mutter schrieb ihm: »Ich bin jetzt schon sehr alt und schwach geworden und möchte vor meinem Tode noch einmal meinen lieben Sohn wiedersehen. Komm also, von mir Abschied zu nehmen und mich zu begraben, und dann magst Du in Gottes Namen wieder zu Deinem Regiment zurückkehren. Doch habe ich auch eine Braut für Dich ausgesucht, ein sehr kluges und hübsches Mädchen, auch nicht ohne Vermögen. Vielleicht wird sie Dir gefallen und Du wirst sie heiraten, Deinen Abschied nehmen und ganz zu Hause bleiben.« – Schilin bedachte sich nicht lange. »Wirklich, mit der alten Frau kann es bald zu Ende gehen. – Vielleicht werde ich sie gar nicht wiedersehen. – Also auf jeden Fall muß ich nach Hause! – Und ist die Braut hübsch, die sie mir ausgesucht hat, so kann ich ja am Ende auch heiraten!« – Er ging zum Oberst, verschaffte sich einen Urlaub, nahm Abschied von den Kameraden und beschenkte seine Mannschaft mit vier Eimern Schnaps zum Lebewohl. Dann traf er rasch seine Vorbereitungen zur Reise. Damals wütete der Krieg im Kaukasus und die Wege waren weder bei Nacht noch bei Tage sicher. Wenn jemand allein die Festung verließ, sei es zu Fuß oder im Wagen, so wurde er von den Tataren unterwegs überfallen und entweder getötet oder als Gefangener in die Berge entführt. Deshalb zogen zweimal

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