Kapitel I.
Einer der großartigsten Residenzbaue des vorigen Jahrhunderts ist der, welcher den Großherzogen von Hessen und bei Rhein zum Aufenthalte dient. Wäre er so vollendet, wie Landgraf Ernst Ludwig, der fromme, thätige, väterlich sorgende Fürst ihn auszuführen beabsichtigte, so würde er an Pracht und Umfang wetteifern mit der größten aller Residenzen, welche das an solchen Schöpfungen so fruchtbare achtzehnte Jahrhundert errichtete, mit dem ungeheuern Sommerhause der neapolitanischen Bourbons zu Caserta. Leider aber sind Monsieur Rouge de la Fosse’s, des Architekten, Pläne nur zum vierten Theile ausgeführt, und nur das Modell im Museum zu Darmstadt giebt jetzt ein Bild dessen, was das Ganze werden sollte nach der Idee seiner Gründer. Aber ist der große Bau von Ernst Ludwig’s Nachfolgern nicht vollendet, so ist er von ihrer Liebe für Kunst und Wissenschaft im Innern durch die geistigen Schätze, welche nach und nach darin gehäuft wurden, desto reicher ausgestattet. Schon die Regierungsperiode des Landgrafen Ludwig IX. legte den Grund zu diesen Schätzen und zwar in Folge des regen Eifers, der für jedes Gebiet geistigen Strebens und humaner Bildung in der großen und edlen Seele der Landgräfin, der schönen und vielgepriesenen Caroline lebte. Sie auch hat die Schloßschöpfung des Vorfahren mit sinnigem Geschmack ergänzt, indem sie jenen Park hinzufügte, der sich auf der Nordseite der