Benito
Um den kleinen viereckigen Kirchhof von Sanmarto stehen hohe Berge und schauen ernst auf die Toten herab. Sie vergleichen ihre Ewigkeit mit dem Schaumdasein der Menschen, ihre steinerne Unbeweglichkeit mit menschlichem, wogendem Auf und Ab zwischen Geburt und Tod. Hinter den alten Mauern stehen die mächtigen Kastanienbäume und flüstern sich die Geschichte der armen Seelen, die da unter dem Rasen liegen, zu. Unter Blumen schlafen die einen, die andern unter Marmor oder unter kleinen schiefen, schwarzen Kreuzen. Manche Stunde habe ich zwischen den schweigenden Toten verlebt und mich ihnen verbunden gefühlt, und habe gespürt, wie es mich zu ihnen zog. Ob ein wenig früher, ein wenig später, was verschlägt's. Vielleicht hoffte ich, daß Gottes Garten mir die Frage lösen würde, die kein Lebender beantwortet, die Frage nach dem Warum der Leiden der Menschen. Warum lebten sie? Warum litten sie? Warum ist der Mensch? Was könnt ihr Gräber mir darüber sagen? Ist alles, was die Schlafenden erlitten, zur Himmelsleiter geworden, auf der die stillen Seelen zur Ruhe aufstiegen? Ist es zum Samen geworden, der Früchte trug? Und wenn nicht, warum lebtet ihr, ihr Toten, warum mußtet ihr leben und seid nicht stumpf geboren, gleich den Tieren? Es ward mir keine Antwort. Die Berge schwiegen, die Sprache der flüsternden Bäume verstand ich nicht, und die Toten blieben stumm. Ein Grab ist da, das