Die Blumen des Bösen
Ein junger Mann, namens Giovanni Guasconti, kam vor langer Zeit aus Süditalien zum Studium nach Padua. Die goldenen Dukaten klangen nur spärlich in seiner Tasche, und Giovanni bezog ein hohes, düsteres Zimmer in einem alten Hause, das gut ein ehemaliger Adelspalast hätte sein dürfen. Und in der Tat: das Wappenschild einer längst erloschenen Familie war über dem Portal zu sehen. Der junge Fremde wußte wohl Bescheid in seines Vaterlandes größter Dichtung, und er wußte, daß Dante einen Vorfahr dieses Geschlechtes, Bewohner dieses Hauses vielleicht, teilhaben ließ an den unendlichen Qualen seines Inferno. Diese Beziehungen und Erinnerungen, im Verein mit der Neigung zum Weltschmerz, so natürlich bei einem jungen Menschen, der zum erstenmal heimatlicher Vertrautheit entrissen ward, entlockten Giovanni einen tiefen Seufzer, als er sich umschaute in dem trostlosen, schlecht möblierten Raum. »Heilige Jungfrau,« rief die alte Lisabetta, die sich, gefangen von der auffallenden Schönheit des Jünglings, freundlich mühte, das Zimmer wohnlich herzurichten, »solch ein Seufzer aus so junger Brust! Findet Ihr das alte Haus düster? Dann steckt um Himmels willen rasch den Kopf zum Fenster hinaus, und Ihr werdet ebenso hellen Sonnenschein sehen, wie Ihr ihn in Neapel zurückgelassen habt.« Unwillkürlich tat Guasconti, wie die alte Frau ihm riet; allein er war nicht ganz ihrer Ansicht, daß die Sonne