Erstes Kapitel
Noch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog bisweilen ein eigenartiger Reiter in das Waldstädtle Wolfe, zwei Stunden oberhalb Hasle, ein. Er kam auf einem kleinen, runden Pferde ganz gemächlich das Kinzigtal herabgeritten in einem spinatgrünen Jägerrock und in grünem Filzhut mit Federzier. An der Seite trug er einen mächtigen, reichverzierten, alten Hirschfänger und im Munde eine Tabakspfeife, aus welcher er behaglich schmauchte. Der Mann fiel aber auch noch auf durch seinen prächtigen Blücherkopf mit gebogener Nase und einem silberweißen Schnurrbart, über denen ein Paar helle, fröhliche Blücheraugen in die Welt guckten. So ritt er über die Kinzigbrücke ins Städtle und durch dasselbe hinab zum alten, finstern Schloß der einstigen Grafen von Fürstenberg. Im Schloßhof stieg er ab, band sein Rößlein an einen Pfosten, hing die Pfeife an den Sattel und schritt die große Treppe hinauf zum fürstenbergischen Oberförster Gayer, machte seinen Rapport, stieg wieder aufs Rößlein, zündete seine Pfeife an und trabte, wie gekommen, zum Städtle hinaus. Fragte ihn der Oberförster, warum er jedesmal, ohne einen Schoppen zu trinken, gleich wieder heimreite, so gab er regelmäßig zur Antwort: »Ich muß heim: wenn ich zum Wald hinausreite, werde ich sofort schwermütig und hab' keine Ruh', bis ich wieder im Wald bin.« Jung und alt schaute dem seltsamen Gaste nach, wenn er der