Der funfzehnte November
Einige Meilen von Amsterdam lebte auf seinem Gute und in einem behaglichen Hause der reiche Herr van der Winden. Garten und Haus war heut besonders festlich aufgeschmückt, weil er seinen Jugendfreund Thomas erwartete, der eben von Ostindien zurück gekommen war, und den er seit mehr als zwölf Jahren nicht gesehn hatte. Er saß mit seiner Frau Susanne im hellen Zimmer, indem die großen Glasthüren nach dem reinlichen und zierlich geordneten Garten offen standen, wo der Tulpenflor glänzte und Hyacinthen auf andern Beeten leuchteten, indeß eine Nachtigall ihre vollen Töne abwechselnd anschlug, und ein milder Frühlingswind die Blumendüfte nach dem Saale hineinwehte. Die Frau Susanne schaute behaglich in das Grün und nach der Ferne, wo kaum kenntlich auf dem Canal Schiffe von Zeit zu Zeit vorüberfuhren. Neben ihr saß die Nichte, mit einer weiblichen Arbeit beschäftigt, dem Anscheine nach nicht so ruhig, wie ihre beiden Pflegeeltern. Du hättest Dich doch etwas mehr schmücken sollen, liebe Elsbeth, fing die Tante an; Du weißt, wie sehr der reiche Thomas das Geschmeide liebt, und an Deinem Halse, in Deinem Ohr würde es ihm vorzüglich gefallen, die schönen Perlen von Deiner seligen Mutter wieder zu finden. Glänzt das Mädchen denn nicht, sagte der Alte schmunzelnd, wie eine volle weiße Hyacinthe? Was bedarf sie der Perlen? Sie ist auch ohne Gold und Edelstein so voll, groß und strahlend wie