Der Frühling auf Wanderung
Eine ganze Seite leer, und die dritte nur halb beschrieben – nicht eine einzige Zeile, die von einem sehnsuchtsvollen Herzen sprach! Das also war der Liebesbrief, nach dem er sich so sehr gesehnt, daß er vom Bahnhof aus, mit seinem ganzen Gepäck, den langen Umweg zur Hauptpost in San Silvestro gemacht hatte. Jetzt sitzt er in seinem Auto und fühlt sich so verlassen, so armselig, als ob er es sei, der allein in dem kleinen Hotelzimmer zurückgeblieben war, und nicht sie. Heute vor einer Woche hatten sie sich Lebewohl gesagt, in dem halbdunklen Zimmer an der Tür, er fühlt noch ihre warmen Lippen auf seinem Mund, und den Druck des zarten gespannten Mädchenkörpers gegen den seinen. Dann hatte sie ihn von sich gedrängt: »genug – leben Sie wohl …« Enttäuscht, gekränkt blickt er die leere Seite an, die ihm in Roms Morgensonne spöttisch entgegenlacht. Ist eine Laune ihres veränderlichen Gemüts darin verborgen? »Sieh und lies – hier steht alles, was man weder sagen noch schreiben kann. Aber du weißt ja, was es ist. Füll die Seite also mit deinen Erinnerungen aus!« Er liest den Brief noch einmal, dreht und wendet ihn hin und her, – nein, etwas Verstecktes kann er nicht darin finden. »Dear Mr. Amloth« – so fängt er an; wie kühl das klingt! Dann erzählt sie von der alten Miß Bush – »ich glaube, sie vermißt Sie sehr beim Nachmittagstee – mehr als ich«. Die entzückende Dämmerstunde beim