Zwei Jahre Weg
Yusuf war Esmes bester Freund gewesen, von vier bis neun.
Dann hatte sein Vater eine Stelle in Toronto bekommen, und die ganze Familie war umgezogen.
Zwei Jahre lang hatten Esme und Yusuf jeden Samstag per Video telefoniert. Die Anrufe waren am Anfang wunderbar gewesen. Sie hatten sich alles erzählt. Dann waren die Anrufe wegen der Zeitverschiebung schwerer zu planen geworden. Dann waren sie kürzer geworden. Dann waren sie manchmal abgesagt worden, weil eine oder einer von ihnen etwas vorhatte. Jetzt stand der Anruf zwar noch im Kalender, fand aber nur einmal alle drei oder vier Wochen statt.
In der Zwischenzeit war Esme gewachsen. Sie war jetzt elf. Sie hatte neue Freundinnen gefunden — Hanna und Liv, vor allem. Die drei machten die meisten Dinge zusammen. Esme dachte jetzt an sie als ihre besten Freundinnen, auch wenn sie das nie laut gesagt hatte.
Yusuf war in seinen Samstagsanrufen immer noch ihr alter bester Freund. Esme hatte einen Platz in ihrem Herzen, der Yusuf gehörte, und dieser Platz war voll mit ihm, auch wenn er ein bisschen verstaubt war.
Dann, im März, rief Yusufs Mutter Esmes Mutter an.
Yusufs Familie zog zurück. Die Stelle in Toronto war zu Ende. Sie kamen im Juli wieder nach Hause.
Esme weinte, als ihre Mutter es ihr sagte. Nicht eigentlich freudiges Weinen. Eher — überwältigtes Weinen. Zwei Jahre des Vermissens würden gleich zu Ende sein. Zwei Jahre