Der Frankfurter Advent
„Nicht von der Stelle, Hermann! Ich will doch hören, ob Du mir in’s Gesicht noch einmal das sagen wirst! Bleib’ da, ich befehle es Dir! In dem Rock da habe ich Dir wieder zu befehlen!“ Der junge Mann, welcher bereits die Hand auf die Thürklinke gelegt hatte, wandte sich um und blieb stehen. Sein Gesicht war von der Röthe des Unwillens gefärbt, der auch aus seinen großen, blauen Augen leuchtete. „Sie haben mich nach meiner Meinung gefragt, Onkel,“ sagte er. „Meine Ansichten werde ich nie verleugnen.“ „Deine Ansichten? Landgräflich-hessische Ansichten sind es!“ rief der Onkel. „Eingebläut, andressirt! Ihr hättet schon davon curirt werden können, als euer Blut verschachert wurde zum Kriege in Amerika und ihr ein freies Volk mit all’ eurer gerühmten Tapferkeit nicht wieder in die alte Knechtschaft werfen konntet – und jetzt werdet ihr noch mehr Schimpf und Schande davon tragen! Deine Ansichten! Tritt her, sag’s mir noch einmal, daß ich ein Bastard Deutschlands bin!“ „Onkel!“ entgegnete der junge Mann, indem er die Hand wie zur Abwehr dieser Beschuldigung erhob. „Ja, ja!“ rief der Onkel heftig, „wenn Du mich auch nicht ausdrücklich genannt hast! Jeder Deutsche, der mit den Ideen der Franzosen übereinstimmt, ist ein Bastard seines Vaterlandes, war’s nicht so?“ „Auch das habe ich nicht gesagt, Onkel,“ versetzte der Neffe, mit einem raschen Schritte näher tretend. „Nicht von den Ideen