Der hilfsbedürftige Wanderer
An einem nebligen Septembermorgen des Jahres 1809 schritt ein ältlicher Herr, der durch seine Menschenfreundlichkeit weit und breit bekannte Pfarrer Bohnewald von Vernau, einem Dörflein im Schwalmgrunde, bedächtig den Wiesenpfad entlang, der zu dem benachbarten Marktflecken Friedendorf führte. Er hatte etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt, da erregte ein Mensch seine Aufmerksamkeit, der mit allen Zeichen der Erschöpfung etwas abseits des Weges am Rande eines kleinen Gebüsches auf einem Baumstumpfe hockte. Die Tracht verriet den reisenden Handwerksgesellen. Ein Felleisen hing an seiner Schulter. Kopf und Oberleib waren nach vorn geneigt, das bartlose Kinn war auf die Hände gepreßt, die, kreuzweise übereinandergelegt, auf dem Hirschhorngriff eines derben Knotenstockes ruhten, und der mit Wachs bezogene Hut war tief in die Stirn gedrückt, so daß von dem Gesicht nicht viel zu erkennen war. Pfarrer Bohnewald blieb stehen, rief einen freundlichen Gruß hinüber und fragte:»Nun Freund, so früh schon wandermüde?«Der Wanderbursch warf auf den Fragenden einen forschenden Blick, lüftete mit trauriger Miene grüßend den Hut und sagte:»Meine wunden Füße wollen nicht mehr. Mit Gewalt wollt' ich es zwingen heut' morgen, aber es tuts einmal nicht – und nun hab' ich, in der Dämmerung über eine Wurzel stolpernd, mir auch noch einen Fuß vertreten. Hätt' ich nur erst das Dörfchen dort