1.
Der Panduren-Oberst von der Trenck war nach seiner Gefangennehmung durch den Rittmeister von Frohn in Wien angekommen und in einem Hotel auf dem Graben abgestiegen. Nach den von der Kaiserin Maria Theresia gegebenen Befehlen erschien bald darauf ein Adjutant des Commandanten der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt bei ihm, um ihm Hausarrest anzukündigen. Ueber die gegen ihn erhobene Anklage werde er später hören. Der Oberst von der Trenck wies dem Adjutanten die Thüre und befahl einem der Panduren, die ihn begleiteten, ihm den Wirth herbeizuholen. Der Wirth kam. „Mein Herr,“ sagte Trenck, „ich will den Abend ins Burgtheater fahren – schaffen Sie mir dazu eine elegante Equipage mit Vieren und mit Dienern in anständiger Livree!“ Der Wirth sorgte für die Equipage, und ein paar Stunden später fuhr der mit Hausarrest bestrickte Oberst in vollem Staat in seinem Vierspänner vor dem Portal des Burgtheaters vor, in welchem heute die Kaiserin erwartet wurde. Er nahm einen Logenplatz ein und wartete ruhig auf den Beginn des Stücks, während die Blicke aller Anwesenden an ihm hafteten. Die Kaiserin kam – der Vorhang rollte auf – da erscheint in einer der Logen ein Officier, der Graf von Gossau, in welchem Trenck einen seiner eifrigsten Ankläger, seinen erbittertsten Feind erblickt. Wie ein zorniger Löwe fährt der Oberst in die Höhe – er verläßt seinen Platz – er taucht nach wenig