Alte Schulden
Das Archiv der Winterberger Lokalzeitung roch nach Staub und vergessenen Geschichten. Falk blätterte durch vergilbte Ausgaben, die zwanzig Jahre zurückreichten, und suchte nach dem Faden, der alles zusammenhielt. Er fand ihn in einer unscheinbaren Meldung auf Seite sieben: ein Großbrand in einer Fabrik am Stadtrand, zwei Tote, die Ermittlungen eingestellt wegen ungeklärter Ursache.
Die Fabrik hatte dem Vater des jetzigen Bürgermeisters gehört. Die beiden Toten waren Gastarbeiter gewesen, deren Familien nie entschädigt wurden. Falk folgte der Spur der Versicherungssumme und landete bei einem Konto, das es offiziell nicht gab, verwaltet von einem Notar, der seit fünf Jahren tot war. Jemand hatte das Geld weiterfließen lassen, Jahr für Jahr, an einen Empfänger, der sich hinter einer Briefkastenfirma verbarg.
Als Falk abends in sein Hotelzimmer zurückkehrte, bemerkte er sofort, dass jemand dagewesen war. Nichts fehlte, nichts war verschoben — aber auf dem Kopfkissen lag ein gefalteter Zettel. Darauf stand in derselben Handschrift wie in den Briefen an die Bürgermeisterin eine einzige Zeile: Sie stellen die richtigen Fragen, Herr Falk. Hören Sie auf, bevor Sie die falschen Antworten finden.