Der ewige Jude
Wir saßen in unserem bescheiden eingerichteten aber sehr sauberen Zimmer des Gasthofs Zur goldenen Kugel in Hamburg. Harald Harst, hier im Fremdenbuch Heinrich Höppner, Kaufmann, Berlin, hatte abends gegen ¾ 7 von der Post seine hierher nachbestellten Briefe abgeholt. Wir waren nun bereits fast drei Wochen von Hause fort, und das Paket Briefe war daher recht ansehnlich. Er zerriß die meisten Briefe sofort, legte nur drei beiseite. Dann sah er nach der Uhr, meinte: »Wir haben noch 1 ½ Stunden Zeit. Erst gegen 12 Uhr nachts dürfte die dritte Prophezeiung eintreffen.« Ich hatte in meiner harten Sofaecke bereits halb geschlafen. Mir steckten die Strapazen der letzten Tage noch in den Knochen. Es dauerte daher einige Sekunden, bevor mein schlafumnebeltes Hirn recht begriff, was Harst soeben gesagt hatte, das heißt, den Sinn der Sätze faßte, allerdings ohne sie zu verstehen. »Dritte Prophezeiung?« fragte ich. »Um 12 Uhr nachts? Was soll das alles?« »Lies!« Er reichte mir den einen Brief — Ich las: Hamburg, den 2. September 19 Sehr geehrter Herr Harst! Gestatten Sie, daß ich mich in einer Angelegenheit vertrauensvoll an Sie wende, die für mich eine Quelle von Gedanken geworden, deren sich ein gebildeter Mensch eigentlich schämen müßte. — Ich bin seit Juni dieses Jahres der letzte Träger des mit der Geschichte Hamburgs eng verknüpften Namens Partorius. Im Juni starb mein älterer