Kapitel 1
Ein Kindessinn wird – es quillt im Dunkel, zwei Hände, Keimblättern gleich, öffnen sich zornig, das Kind befiehlt: Es werde Licht! Das Kind, das Wachtmeister Gulager von der fünften Untersuchungskammer in die Schreibstube getragen hatte, sei der einzige Zeuge, erzählte er, in der Sache gegen Johanne Sylfrida Frost, genannt Schwester Sylvia, angeklagt wegen Verwahrlosung von Pflegekindern sowie möglicherweise Mord. Gulager präsentierte das Kind, das er mit väterlicher Erfahrung auf den Armen wiegte. »Bitte anzusehen, meine Herren! Berühren erlaubt!« Unablässig wogte der Verkehr ein und aus durch die finsteren Bureaus des alten Gerichtsgebäudes, dessen einzige Beleuchtung an Wintertagen in jenen Zeiten, fünf Jahre vor dem Jahrhundertwechsel, blakende Gasflammen waren. In dem alten Ofen prasselten Holzknorren, und der Heizer und erste Gerichtsbote, der betagte Holsteiner Lornsen, kam mit einem Arm voller Buchenscheite und oben auf dem Stapel den Haufen neuer Haftbefehle angeschlürft. Die Schreiber schnauften erkältet und riefen nach mehr Wärme. Aber Lornsen hatte vieles andere zu schaffen, viele, viele Öfen zu versorgen. Wenn die jungen Polizisten elastisch und wohlgemut durch die Schreibstube eilten mit einem höflichen »Mahlzeit« für Leutnant Dyrlund oder den »Schwarzen Ludvigsen«, die hinter Zeitungen ihr mitgebrachtes Butterbrot knabberten, blickten die Schreiber verdrießlich