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Chapter

Die Versuchung

Tomas setzte sich nicht auf den Thron. Nicht sofort. Er umkreiste ihn, berührte das kalte Eisen, spürte die Vibrationen unter seinen Fingern — ein Pulsieren, das dem Herzschlag ähnelte, aber langsamer war, gewaltiger, als schlüge dort ein Herz, das für etwas viel Größeres als einen Menschen gemacht war. In die Armlehnen waren Runen eingelassen, die bei Berührung aufleuchteten, ein kaltes Blau, das die Schatten in der Halle tanzen ließ. Die Stimme kam von überall und nirgends. Sie sprach kein bestimmtes Wort, sie war mehr ein Gefühl, das sich in Tomas' Kopf formte wie ein Gedanke, der nicht seiner war. Der Thron bot ihm etwas an — Macht über die Elemente, die Fähigkeit, Wind und Wasser, Feuer und Erde zu befehligen, die Kraft, die Welt zu formen wie Ton unter den Händen eines Töpfers. Aber es gab einen Preis. Tomas konnte ihn fühlen, hinter dem Versprechen, wie eine zweite Stimme, die die erste überlagerte. Wer auf dem Thron saß, würde die Elemente beherrschen, aber die Elemente würden auch ihn beherrschen. Mit jedem Gebrauch der Macht würde ein Stück von dem verschwinden, was Tomas menschlich machte — Erinnerungen, Gefühle, die Fähigkeit zu lieben, zu lachen, zu trauern. Am Ende würde er der Thron sein, und der Thron würde er sein, für immer und ewig, ein König ohne Reich und ohne Seele.

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