Die Verlobungsfeier
In der Wohnung der verwitweten Frau Geheimen Regierungsrat Delfert roch es nach warmem Haar und verbranntem Papier. Dora und Ulrike huschten in weißen Nachtjacken und »Wickeln« aus ihrem gemeinschaftlichen Zimmer bald zur Mutter herein, die noch rasch eine weiße Spitzenkrause in ihr violettseidenes Kleid einnähte, bald über den ziemlich breiten Korridor in den dunklen Speisesaal, wo ein Tafeldecker und das Hausmädchen um den lang ausgezogenen Tisch bemüht waren. Alles Familiensilber war aufgestellt worden – von dem Patenbecher der Mutter bis zur schönen Jardiniere, die die Eltern zu ihrem silbernen Hochzeitstag erhalten hatten und die jetzt, mit schwer duftenden Mimosenzweigen gefüllt, die Mitte der Tafel einnahm. Die Schwestern verteilten die Kärtchen mit den Namen. Sie hatten mehr sorgenvolle als freudige Gesichter, und wenn das hüpfende Licht der Gasflamme über Ulrikes Züge huschte, die die Ältere war, sah man, daß sich eine tiefe und schmerzvolle Falte über der Nasenwurzel eingegraben hatte. »Ich denke, nun ist bald alles in Ordnung,« sagte sie. Sie sprach gedämpft, ein wenig klagend, wie jemand, der durch nichts von einem inneren Leid abgelenkt werden kann. »Ich will jetzt Mama bei der Toilette helfen. Unterdessen machst du dich fertig, Dora. Es wäre immerhin möglich, daß er früher käme. Da muß jemand da sein, um ihn zu empfangen.« Der Lohndiener und das Mädchen hatten das