Chapter

Der Egoist

Es war in den Nachmittagsstunden eines sonnigen Frühlingstages. Die tiefe Sonntagsruhe und Stille, die in dem bewegten Treiben der großen See- und Handelsstadt keine Stätte fand, herrschte um so ungestörter in der Umgebung eines Landhauses, das abseits von dem großen Häusermeer in der Nähe des Strandes lag, und dessen parkähnliche Anlagen sich bis an die See hinunter erstreckten. Es war eine jener vornehmen, elegant und luxuriös eingerichteten Villen, wie sie die reichen Städter zu bewohnen pflegten, die nicht von dem Straßenlärm gestört sein wollten und doch die Stadt ohne großen Zeitverlust zu erreichen wünschten. In dem Salon, dessen Glasthüren auf die Gartenterrasse hinausgingen, befanden sich ein Herr und eine Dame in lebhafter, sichtlich ernster Unterhaltung. Die Wangen der jungen Dame glühten in heißer Erregung, und sie kämpfte augenscheinlich mit den mühsam zurückgehaltenen Thränen, während der Herr vollkommen gleichgültig und unbewegt erschien. Es war ein Mann in mittleren Jahren, aber mit schon völlig ergrauten Haaren und ernsten, kalten Zügen, dessen ganzes Aeußere den Geschäftsmann kennzeichnete. Die kühle Ruhe und Gemessenheit seines Wesens verlor sich auch im erregtesten Gespräche nicht einen Augenblick, und selbst seine Art zu sprechen war trocken und geschäftsmäßig, ohne jeden wärmeren Ausdruck. »Wahrhaftig, Jessy, ich bin es müde, immer wieder die alten

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