Chapter

Erster Teil

Nun ist es still im Hause. Mir kommt es so wunderlich vor, daß nur der Wind singt und nicht junges Lachen und junge Stimmen ertönen. Im Garten gräbt Möller gerade unter meinem Fenster und ruft bisweilen seinem Jungen ein Wort zu. Der harkt das erste welke Laub zusammen. Kalt ist der Tag, aber klar. Der Wind kommt aus der See, doch bringt er keine Wolken. Das ist ein Zeichen, daß wir scharfe Kälte bekommen. Der wilde Wein schlägt mir an die Scheiben. Und wenn ihr noch soviel von seinen rotgoldnen Ranken abpflücktet und alle Zimmer von seiner Schönheit leuchten ließet, er ist so üppig wie je. Da steht noch das hohe Glas mit lila Astern, weißen Levkoien und roten Weinranken. Wenn ich es ansehe, wird mir das Herz weit vor Sehnsucht nach euch. Meine drei, meine drei geliebten Mädel! Als Ovedine die Blumen auf den Tisch gestellt hatte, kam Hans herein und sagte in seiner unnützen Weise: »Oh, wie sinnig von unsrer Kleinen! Die Blumen sollen jedenfalls wir drei sein: Engel die weißen Levkoien, Dine die schönen, sanften Astern und ich die wilden Ranken. Schön gemacht und noch viel schöner gedacht.« Weißt du es noch, Hans, wie du mir dann um den Hals fielst und schnell ein paar Tränen verschlucktest und dazwischen lachtest und dann sagtest: »Morgen sind wir fort von dir, morgen hast du keine einzige Duve mehr im Haus. Morgen …« Da wurde mir das Herz so schwer, daß ich unangenehm wurde

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