Kapitel 1
»He, Kasper, so wache doch auf!« »Laß mich in Fjieden,« knurrte der im Schlaf Gestörte ärgerlich. »Was willst?« »Ich habe keine Ruhe,« entgegnete der Schneidersheiner. »Denk doch: 's ist heute schon der dritte Kirmestag und noch nicht einen dummen Streich hat's gegeben. Das ist keine Art! – So hör doch, – mir ist grad ein Gedanke gekommen! – 's ist nicht mehr weit vom Tag, – wie wär's, wenn wir in aller Stille die Musikanten zusammentrommelten und auf meinem Paten-Hausdach den Morgen anbliesen?« »Die Sache wär authientisch,« erklärte der Bergkasper, der nun auch vollständig ermuntert um sich schaute. »Dann müssen wij abej bald Anstalt tjeffen, sonst ist's zu spät! – Abej, Heinich, Heinich, was wijd dein Pat dazu sagen? Nimm dich in acht, e könnt's kjumm nehmen!« »Ach was,« lachte Heiner. »Lärmen wird er freilich, – das ist eben der Witz, aber ernstlich bös wird er nicht, er müßte ja nicht der Zipfelschneider sein! Donnerwetter, werden die Buchbacher auffahren, geht droben die Musik los! Auf jetzt, wecke die Musikanten auf dieser Dorfseite, ich hole die über dem Wasser, im Schrot hinter meinem Patenhäusle kommen wir zusammen. Vorwärts!« »Ist schon jecht,« lachte Kasper, nahm seine Klarinette vom Nagel und schlüpfte hinter dem Schneidersheiner die Treppe hinab. Noch war es dunkel, aber ein heller Streifen über dem nahen Waldgebirg verkündete den erwachenden Morgen. Im Dorf war es