Erstes Kapitel
Helle Mittagssonne überflimmerte die beschneiten Berge und das weiße Tal. Kaum ein Schatten in der Landschaft; alles in stille, leuchtende Sonne getaucht. Und alles weiß. Man sah von den Dächern keines; sie unterschieden sich im Schnee nicht mehr von den getünchten Mauern der Häuser und von der weißen Erde. Man sah den Kirchturm nicht; er war im Weiß verschwunden; nur die runden Luken seiner Glockenstube hingen wie große dunkle Augen in der Luft, und sein grünes, spitz aufgezogenes Dach, auf dessen steilen Kupferplatten der Schnee nicht haften konnte, schien unter dem Himmel zu schweben, als wär's die sichtbare Haube eines Riesen, der unsichtbar inmitten des weißen Tales stand. Wie kalt die Nächte noch immer waren, das sah man an den großgeblätterten Kristallen, die überall im Nachtfrost aus der Schneedecke hervorgeblüht waren, als hätte auch der eisige Winter seine Blumen. Die glitzerten mit kaltem Schimmer über allem Grund; doch in den reinen, stillen Lüften, deren blaue Wunderglocke sich wolkenlos über die weißen Berge spannte, und in der linden Sonne der Mittagsstunden spürte man schon eine leise Ahnung des Frühlings, welcher kommen wollte. Manchmal fielen kleine Schneeklumpen von den Bäumen nieder, immer wieder klang das den Bach bedeckende Eis, und an den verschneiten Hecken flogen die winzigen Schopfmeisen aus und ein. »Die merken halt auch schon, daß die gute Zeit