Kapitel 1
Es war aber ein Hirte kleinen Wuchses aber aufrechten Hauptes und mit umtunlichen Augen und Armen und flott ausrückenden kurzen Beinen. So gering das Männchen auf einer Wage sein mochte, so scheinig und gewichtig kam es dennoch jedermann vor, denn der kleine Bergbauer vertat und verlegte die Arme als wäre er vom Herrgott beauftragt, am jüngsten Tage die Berge übereinanderzuwerfen und als täte er sich nun lebenslang wacker drauf einüben. Wenn er so das Land ausging, seine Hakennase hoch und die Augen angriffig drüber hinweg wie Falken und so breittuend als lasse ihm die Welt nicht Ellbogenweite genug, mußten die Leute und gar die Fremden, diesem Kleinen nur so nachschauen. Donnerwetter, mochten sie denken, was für ein Stehaufmanderl, der muß sich was einbilden. Aber auch wenn er hinterm Tisch war, mußte man verwundert auf ihn schauen; es schien dann, als sitze man einem gewaltigen Mann gegenüber. Und immer wieder rissen die Leute, die ihn nicht kannten, überrascht die Augen auf, wenn sich der Goliath hinterm Tisch hervormachte und sich nun auf einmal in ein kurzgestumpftes Männlein verwandelte. Doch wenn er so landskräftig zielsicher davonschritt, begann er rasch wieder in aller Augen zu wachsen und dann dachte jedermann: Es muß doch etwas riesenmäßiges an ihm sein. Diesen kurzgeratenen Hirten, der auf seinem Berggut ob Erlenstalden auf der Ruchegg saß, nannte man landauf und ab