Chapter

Der Doppelgänger

Wenn ich durchaus jede Erklärung bei der merkwürdigen Tatsache, die ich jetzt erzählen werde, vermeide und mich darauf beschränke, sie mit äußerster Genauigkeit wiederzugeben, verlange ich aber als Gegenleistung, daß man keine ungünstigen Schlüsse über meinen Geisteszustand zieht. Es ist nicht nach meinem Geschmack, in dem Rufe eines Phantasten zu stehen, und es liegt mir auch nichts daran, mit dem nachgerade unmodern gewordenen Ausdruck »Träumer« oder »Grübler« bezeichnet zu werden, den man heute durch die Benennung »nervenleidend« oder »von Halluzinationen verfolgt« ersetzt. Es wäre mir auch durchaus nicht angenehm, als Verrückter angesehen zu werden; ja, es könnte mir das außerordentlich schaden. Gerade die Arbeit, mit der ich mich beschäftige, verlangt, daß mich vernünftige Leute respektieren. Vielleicht wäre es überhaupt besser gewesen, ich hätte meine Erzählung für mich behalten. Aber da ich sie nun einmal versprochen habe, will ich meinen Bericht beginnen. Jedoch möchte ich vorher betonen, daß ich zugebe, das Spielzeug eines merkwürdigen Zusammentreffens oder das Opfer irgendeines Spaßvogels gewesen zu sein. Man darf also über meine Leichtgläubigkeit lachen, doch nicht an meinem Verstande zweifeln. Die Tatsachen waren folgende: Im letzten Herbst, ungefähr Mitte November, wollte ich meine Winterarbeit schreiben. Es war ein kleines geschichtliches Werk, um das mich eine

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