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Chapter

Kein Ausweg

Die nächsten achtundvierzig Stunden verbrachte Markus damit, systematisch die Optionen zu prüfen, die ihm blieben. Flucht war möglich — er hatte drei Pässe, zwei Bankkonten im Ausland und ein Netzwerk von Kontakten, die ihm einen neuen Anfang ermöglichen konnten. Aber Flucht bedeutete, alles aufzugeben, was er in fünf Jahren aufgebaut hatte, nicht die Lügen, sondern das, was zwischen den Lügen gewachsen war: Freundschaften, Gewohnheiten, eine Frau namens Katja, die glaubte, er sei Versicherungsmakler, und die ihn liebte, obwohl er nie pünktlich war und manchmal mitten in der Nacht verschwand. Sein Führungsoffizier beim BND, ein Mann namens Schreiber, der lächelte wie ein Buchhalter und dachte wie ein Schachspieler, rief ihn am Freitagmorgen an und sprach in dem beiläufigen Ton, den er benutzte, wenn die Lage ernst war. Bremer, sagte er, wir müssen reden. Kommen Sie ins Büro. Nicht heute, nicht morgen — jetzt. Gleichzeitig — und Markus fragte sich, ob das Zufall war oder Choreografie — vibrierte das Kreuzberger Telefon. Seine russische Kontaktperson, eine Frau, die sich Nadia nannte und deren echten Namen er nie erfahren hatte, schrieb: Treffpunkt C, zwanzig Uhr. Komm allein. Es war das erste Mal, dass sie das Du verwendete, und Markus wusste, dass es keine Vertraulichkeit war, sondern ein Abschied.

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