Chapter

Zwei Gesichter

Markus Bremer frühstückte in zwei verschiedenen Cafés, je nachdem, welcher Dienst ihn an diesem Tag erwartete. Montags, mittwochs und freitags saß er im Café Einstein an der Friedrichstraße, aß ein Croissant und las die Süddeutsche, und der Kellner kannte ihn als Herrn Bremer, den Versicherungsmakler. Dienstags und donnerstags saß er in einem namenlosen Lokal in Kreuzberg, trank schwarzen Tee und las die Moscow Times online, und die Frau hinter der Theke kannte ihn als Viktor, den Übersetzer. Fünf Jahre lang hatte diese Routine funktioniert, so zuverlässig wie ein Uhrwerk, so präzise wie die Berichte, die er beiden Seiten lieferte — dem BND genug, um nützlich zu bleiben, den Russen genug, um vertrauenswürdig zu sein, und keiner Seite genug, um die andere zu gefährden. Markus lebte auf einem Drahtseil, und er hatte gelernt, nicht nach unten zu schauen. Der Trick bestand nicht darin, keine Angst zu haben, sondern darin, die Angst so gleichmäßig zu verteilen, dass sie zum Hintergrundrauschen wurde. An einem Donnerstag im Oktober ging alles schief. Nicht dramatisch, nicht mit Schüssen und Verfolgungsjagden — sondern mit einer Nachricht auf seinem privaten Handy, dem dritten Handy, dem, das keiner der beiden Dienste kannte. Die Nachricht bestand aus drei Worten und einem Foto. Die Worte lauteten: Wir wissen alles. Das Foto zeigte Markus in beiden Cafés, nebeneinander montiert, wie

Connection lost

Reconnecting to the server…

Reconnect failed. Trying again in seconds.

We couldn't reconnect to the server. Retry, or reload the page.

The session was paused by the server.

The session couldn't be resumed. Please reload the page.