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Der Dommeister von Regensburg

Ein schöner Aprilabend dunkelte über dem engen Straßenknäuel von Regensburg: nur die Spitzen und Stufengiebel der hohen Häuser waren noch vom röthlichen Nachglanz des Sonnenuntergangs erhellt; über dem Platze aber, wo der Dom gebaut wurde, wölbte sich ein weiter, blauer Lichtraum, in welchen das noch unvollendete Gebäude mit Phialen, Zacken und Thürmchen, mit Mauern, Krahnen und Gerüst dunkel und erhaben emporstieg wie ein künstlich aufgeschichtetes Gebirge. Am Fuße des gewaltigen Baues, in einer aus starkem Gebälke gefügten Hütte, stand ein Mann an’s offene Fenster gelehnt und sah unverwandten Blicks in den Abendhimmel empor, an dem schon einzelne Sterne aufblitzten; es war nicht zu erkennen, ob er nur die einströmende Abendfrische und Frühlingsluft genießen und sich mit seinen Gedanken im Blauen verlieren wollte, oder ob sein Auge prüfend und forschend an den Umrissen des Gebäudes hing. Jedenfalls war er so tief in Sinnen versunken, daß er die Zimmerer und Steinmetzen nicht gewahrte, welche Feierabend gemacht hatten und nacheinander die Bauhütte verließen. Sie zogen im Vorübergehen ehrerbietig die Mützen und sagten nach Brauch ihren Werkspruch, wie sie nun redlich Schicht gemacht hatten und den Bau in Gottes Schutz verließen; der Mann grüßte nicht hinwider und vergaß sogar, mit dem üblichen Schlußreim zu entgegnen, wie nun statt ihrer Sanct Johannes kommen und getreue

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