Erstes Buch, I.
Auf einem Sturzacker nahe bei der kleinen Stadt Lützen hielt ein Reiter und blickte unverwandt hinüber nach der Richtung, wo sich, wie man ihm berichtet hatte, die Heerstraße hinzog, die nach Leipzig führte. Schwarz war sein Roß, und seine schlanke, geschmeidige Gestalt steckte vom Kopf bis zu den Knien in einem Harnisch von derselben Farbe. Alles an ihm war wohlgepanzert und verwahrt, wie es einem Krieger geziemt, der zum Kampfe auszieht. Nur das Antlitz war unverhüllt – ein feines, etwas bleiches Antlitz mit leicht gebogener Nase, dunkelblondem Schnurr- und Knebelbart und zwei so eigentümlich glänzenden, durchdringend blickenden Augen, wie sie nur selten einmal die Natur einem Menschen verleiht. Aber dem dichten, weißen Novembernebel gegenüber, der das weite Blachfeld bedeckte, waren auch diese falkenscharfen Augen machtlos, und der Reiter konnte, so sehr er sich anstrengte, auch nicht einen Stein von der Straße erspähen, die wohl nicht weiter als zweihundert Ellen vor ihm sich dehnte. »Verwünscht!« murmelte er endlich. »Es ist wie verhext. Der Starrschedel kommt auch nicht wieder! Man hört nichts, man sieht nichts. Werde noch ein Stück vorwärts reiten!« Der hagere Mann in halb bäuerlicher, halb geistlicher Tracht, der neben ihm stand, zuckte zusammen, »Um Gotteswillen, gnädiger Herr! Keinen Schritt mehr vorwärts! Hört Ihr die Turmuhr von Lützen? Es schlägt acht. Man sollt's