Die Tuer
Professor Lindemann hörte sich Tobias' Geschichte an, ohne ihn zu unterbrechen. Sie saßen in seinem Büro im dritten Stock des Mathematischen Instituts, umgeben von Bücherstapeln und Tafeln voller Gleichungen, und Lindemann drehte seinen Kugelschreiber zwischen den Fingern, was er nur tat, wenn er nachdachte. Als Tobias fertig war, stand der Professor auf, schloss die Tür ab und zog die Jalousien herunter. »Zeigen Sie mir die Fotos«, sagte er. Sein Ton war nicht der eines neugierigen Akademikers. Es war der Ton eines Mannes, der eine Nachricht erhalten hatte, die er seit langem erwartet und gefürchtet hatte.
Lindemann betrachtete die Bilder lange, wischte vor und zurück, vergrößerte Details. Dann legte er das Handy auf den Schreibtisch und sagte: »Das ist die dritte Kopie, die in diesem Jahrhundert auftaucht. Die erste wurde 2004 in einer Bibliothek in Prag gefunden. Der Doktorand, der sie entdeckte, hat den Algorithmus auf seiner Workstation ausgeführt. Die Workstation existiert nicht mehr. Der Doktorand auch nicht — er ist drei Monate später verschwunden, ohne Abschied, ohne Spur. Die zweite Kopie tauchte 2019 in Kyoto auf. Der Finder, ein Informatikprofessor, hat den Algorithmus nie ausgeführt. Er hat die Handschrift stattdessen verbrannt. Eine Woche später rief er mich an und sagte einen Satz, den ich nie vergessen werde: Die Tinte hat dabei geleuchtet.«
Tobias spürte, wie