Der Böswirt
»Is der Böswirt z' Haus oder net?« fragte ein hagerer rothaariger Mann im langen landesüblichen Mantel die Kellnerin, die soeben, in jeder Hand fünf der vollen großen Steinkrüge, eiligst über den Flur von der Schenke her in die Wirtsstube schritt. »Ja, Schmidhuber,« antwortete die Angeredete, ohne sich im geringsten aufhalten zu lassen, »'s wird grad g'schlacht't heut'. Trinkt's derweil a Maß?« Und ohne sich nach dem Gast umzusehen, öffnete sie das Schiebfenster, das von der Gaststube in die Küche führte, und fuhr nur in etwas erhöhter Tonlage und lauter fort: »Hanni, geh' hinter ins Schlachthaus zum Herrn und sag', der rote Broz von Haching wär' da; er sollt' füri kema.« Der Schmidhuber hörte jedoch diese schmeichelhafte Bezeichnung nicht mehr. Gleich nach empfangener Auskunft auf seine Frage war er kurze Zeit vor der Tür des Schenkzimmers stehen geblieben. Nachdem er ein Weilchen sinnend mit den Stiefelspitzen an der davorliegenden Staffel geklopft hatte, als wollt' er Schnee zum Abfallen bringen, ging er wieder vors Haus hinaus und ums Haus herum. Draußen war aber weder Schnee noch Schmutz, sondern ein schöner trockener Junitag: kleine weiße Wölkchen lagen wie Schäfchen auf dem blauen Morgenhimmel, die Bäume trugen frisches Grün und die Amsel sang gar lieblich. Dem Rothaarigen schien das auch alles gar freundlich zu behagen, denn als er wieder um die Ecke kam, pfiff er