Chapter

Die erste Begegnung

Der böse Nachbar. Erzählung von Levin Schücking. Ein junger Mann schritt unfern der Weser durch eine waldreiche Gegend, in welcher die wenig erhobenen Hügelrücken dichtes Laubholz trugen, während die schmalen Thaleinsenkungen dazwischen von saftig grünen Wiesenflächen eingenommen waren. Der Weg des Wanderers, ein gewundener Fußpfad, hielt sich fast immer in wohlthuendem Schatten, und einen anmuthigeren Weg für eine Fußwanderung konnte es nicht geben. Bald durch die grünen Waldeshallen, in welche die Nachmittagssonne schräg ihre Lichter warf; bald an den klaren, hier und da über ein Wehr rauschenden Bächen entlang, welche die Wiesenflächen durchliefen; auch zuweilen über kleine Brücken und Stege, über welche die breiten Aeste sich wölbten wie hohe Lauben. Im Walde pfiff die Goldamsel, und anderes Gevögel zwitscherte und sang in den Zweigen; den starren Waldbäumen, die sich nicht regen und bewegen können, ist ja das beweglichste und beschwingteste Volk in der ganzen Schöpfung zu Gesellen gegeben. Wo die Sonne einen größeren Fleck des Weges beschien, schlängelte sich auch wohl eine behende Eidechse und verschwand raschelnd im vorjährigen Laube. Sonst war alles still. Menschen schienen in dieser romantischen Waldgegend nicht zu hausen, oder, wenn sie da waren, die Hut ihrer Wiesen dem lieben Gott überlassen zu haben, den sie, in grober Holzarbeit ausgeschnitzelt, an braune, neben

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