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Erstes Buch - Kapitel I

Die Frühsonne eines hellen Oktobertages lag auf dem alten Herrenhause in Groß-Salze, das im Volksmunde der blaue Hof genannt wurde. Ihre Strahlen ließen die weißgetünchten Mauern des schmucklosen Baues weit hinaus ins flache Magdeburger Land erglänzen, sie glitten wie liebkosend hin über das altersgraue, etwas verwitterte Wappen derer von Schurff über der breiten Tür, sie fluteten in mächtigen Wogen in das halbgeöffnete Fenster hinein, in dem eine schlanke Mädchengestalt lehnte und gespannt in die Ferne hinausblickte. Das freche Volk der Spatzen lärmte laut in dem dichten Epheu, der die Giebelseite des Hauses überzogen hatte, und einige der gefiederten Helden hüpften keck auf das Fensterbrett und schauten das Mädchen neugierig lauernd von der Seite an, ob ihnen nicht ihre Hand das gewohnte Frühmahl spende. Aber sie hatte heute keine Augen für ihre kleinen Kostgänger, sondern unablässig verfolgte ihr Blick einen hochbepackten Reisewagen, der von vier kräftigen Braunen gezogen sich schnell immer weiter und weiter entfernte und endlich nur noch wie ein dunkler Punkt am fernen Horizonte zu sehen war. Mit einem tiefen Atemzuge trat das Mädchen vom Fenster zurück, und dabei fiel ihr Auge auf ein kleines Buch, das auf einem zierlichen Nachttischchen neben ihrem Bette lag. »Losungen der Brüdergemeine für das Jahr 1806« stand in feinen Goldbuchstaben auf dem schwarzen Ledereinbande.

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