Der blinde Brahmane
1. Kapitel. Die Schlangenkiste. Wir näherten uns Indien — dem Zauberlande Indien! Was hätte ich darum gegeben, wenn wir das von der Reling unseres Dampfers aus bereits erkennbare Bombay, diese nächst Kalkutta größte Hafenstadt des indischen Kaiserreichs, hätten als harmlose, friedfertige Touristen betreten dürfen! Aber — wir waren ja leider durchaus nicht friedfertig. Im Gegenteil: wir setzten Cecil Warbatty nach — noch immer! wir wußten, er war abermals entwischt. Und die größte Wahrscheinlichkeit sprach dafür, daß er uns dort drüben in Bombay bereits erwartete, um seine wiederholte Drohung wahr und uns — kalt zu machen. Wir standen an der Reling und genossen das seltsame Bild der Riesenstadt mit ihren fast eine Million Einwohnern, mit ihren 89 Moscheen, 41 Hindutempeln, mit ihrer ganzen seltsamen Anlage auf der gleichnamigen Insel, die wieder zwei Halbinseln nach Süden zu ins Meer hinausschickt. »Entzückend!« schwärmte Harst. »Ich kenne Bombay recht gut. Trotzdem überwältigt mich dieser Gesamteindruck abermals. — Sieh nur — all diese weißen Villen, diese riesigen Fabriken, diese Kuppeln der Moscheen! Und dort, mein lieber Schraut, dort auf der Südspitze der Halbinsel Malabar Hill die berühmten fünf »Türme des Schweigens«, nördlich davon der nicht minder berühmte Walkeshar-Tempel.« — Eine kurze Pause. Dann: »Uebrigens wird es jetzt für uns Zeit, hier von Bord zu verschwinden,