Chapter

Vorspiel

Erst lachte ein Lenz dieser Erde, dann glühte ein Sommer. Der Herbst hat entfaltet bunt leuchtender Farben Gespiel. Schon thronte der todblasse Winter im eisigen Reiche, verspottend, was Glaube, was Sehnsucht, Erinnrung und Ziel. Früh morgens erwacht' da ein zartes jungfräuliches Mädchen, sie kämmte vorm Spiegel ihr schönes welliges Haar, dann fiel sie in Sinnen. Sie lächelt' bewegt und sie seufzte, und plötzlich erstand ihr der Traum: daß es Lenz wieder war. Sie wußte es nicht, denn der Traum war so zart wie ein Keimchen, halb war er nur Ahnen, halb Angst, doch so seltsam und süß. Sie beugt' sich ihm stumm, und sie wagte nicht einmal zu fragen, weshalb er erstand, dieser Traum, oder was er verhieß. Allmorgendlich kämmt sie das rauschende Haar vor dem Spiegel, allmorgendlich blaute ihr Auge in lichterem Schein, bis blühend der Traum ihr erwuchs und das Herz ihr erfüllte mit Reichtum, als wäre die Welt neu erstanden zum Sein. Da sah sie verwundert sich stehen im lächelnden Garten, wo köstlich die Luft war, voll Süße, und wunderbar rein Und wieder erschaut' sie den Lenz, hob ihr Antlitz und küßte am Kirschzweig die schneeigen Blüten, so taufrisch und fein. Es flötet' ein Vogel im Busch, und sie fragte beklommen: Wie? War es am Ende mein Herz, das so lockend mich rief? Die Arme erhob sie zum Himmel und seufzte glückselig, sie fühlte den Himmel im Herzen, so blau und so tief. Da

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