Erste Abteilung
Wenn der Bäckermeister Zoderer zu seinem Freunde Piffrader gesagt hatte, die Verlobung des Steuerinspektors Gritz mit Hedwig solle vorerst nicht publik werden, so war das so wenig ernst gemeint als manche Bürgerrede über das Beamtentum und die absichtlich zur Schau getragene Geringschätzung. Zoderer hatte lichte Momente, in welchen er geradezu froh zu sein schien, einen solchen Tochtermann in wenn auch nicht glänzender, so doch in auskömmlicher und sicherer Stellung bekommen zu haben. Laut schimpfte er aber über das Beamtentum. Der Gattin gegenüber that der Bäcker groß und protzig, als wenn dem Steuermenschen Wunder was für eine Gnade erwiesen worden wäre. Hedwig selbst äußerte keine besondere Leidenschaft für den Verlobten, sie zeigte sich eher spröde, achtete jedoch sorgsam darauf, daß ihr der Bräutigam nicht abspenstig gemacht werde. Das beste Mittel hierzu schien Hedwig, die Kunde der Verlobung den Freundinnen und Feindinnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit der Bitte um strengste Diskretion anzuvertrauen. Die Folge davon war, daß man in jedem Hause alsbald von dieser Neuigkeit wußte und sie unter die Hechel nahm. Der Neid sorgte gründlich, die Zungen in Bewegung zu setzen. Die Freundin Ida zu verständigen, zögerte Hedwig anfangs, ging aber schließlich doch zu ihr. Der herzliche Empfang befreite Hedwig vom Gefühle einer großen Bangigkeit, der heimlichen Angst, daß