Chapter

Auf dem Großvenediger

Kalt und grau starrt die Eiswelt, darüber wölbt sich der blaue Äther. Im Osten kündet eine schwache Röte das Nahen des ersehnten Weltlichts. Im pulverigen Schnee des Kleinvenedigers steht windumtost ein Tourist, durch das Gletscherseil verbunden nut zwei Bergführern, zur kurzen Rast, um den Lungen eine kleine Erholung zu gönnen. Im Sturmwind, der bitterkalt weht und den Körper durchschauert, schwingt sich das menschenverbindende Seil, bis der Leiter der Expedition durch einen Ruck das Zeichen zum weiteren Anstieg giebt. Tief sinkt der eisenbewehrte Fuß ein in den pulverigen Schnee, den in solcher Höhe die Sonne nicht mehr tagsüber erweichen, der daher über Nacht auch nicht gefrieren kann. Immer aufwärts! Neben dem weißen Zelt des Rainerhorns tritt in hehrer Majestät der König dieser Eiswelt, der Großvenediger, in die Erscheinung, ein gigantisches Schneehorn in unheimlicher, düsterer Farbe, grau und starr. Diesem Gipfel gilt der erwartungsvolle Blick, ihn zu bezwingen, soll alle Kraft aufgewendet werden. Hell wird es ringsum in der Eiswelt, am Kegel des Rainerhorns flammt es auf, die Firnfelder der Schwarzwand erglühen – Sonnenaufgang in der Eiswelt! Welch ein Schauspiel! Doch grau und düster bleibt der König selbst. Soll ihm Aurorens Morgenkuß versagt bleiben? Kann ein majestätischer Eisgipfel von solcher Erhebung ausgeschlossen sein vom rosigen Licht, das die ganze Welt

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