Erstes Kapitel
In der Wohnstube des Pfrointnerhofes ging es gar stürmisch zu. Das paßte so recht zu dem bösen Herbstwetter, das draußen mit Heulen und Pfeifen zwischen Haus und Ställen tobte, an den Fenstern alle Läden klappern und auf den Dächern die Schindeln hüpfen und fliegen machte, von der nahen Straße hohe Wirbelsäulen von Staub und welken Blättern über den Hofraum hinwegführte und im Garten die halb ihres Schmuckes schon beraubten Bäume zauste und schüttelte, als wären sie kleine Schulbuben und der Wind ihr springgiftiger Lehrer. Das war auch das richtige Spielzeug für den Sturm, der Pfrointnerhof, der gemeinsam mit dem anstoßenden Bründlhof auf einer sanft gerundeten, das ganze Dorf und Tal beherrschenden Anhöhe frei gelegen war, halb nur einem Bauernhause, halb einem altersgrauen Herrensitze ähnlich, mit seinen schwerfälligen Mauern und den kleinen, fast an Schießscharten erinnernden Fenstern, mit den zwei bauchigen, durch die beiden Stockwerke sich emporziehenden Erkern, mit den spitz ansteigenden, von steinernen Zieraten gekrönten Giebeln und dem rußgeschwärzten Glockentürmchen inmitten des steilen Daches. Dort oben mußte man eine herrliche Aussicht haben über das schöne Tal und die weit zerstreuten Häuser, über die dunkelgrünen, in der Höhe von Steinwänden und Almfeldern unterbrochenen Waldgehänge der ringsum aufsteigenden Berge und über den See, der mitten im Dorfe begann und