Der Bergwirth
Die Sonne eines der letzten Julitage war schon tief westwärts hinab gebrannt; ihre Strahlen reichten nur noch eben an die Gipfel des Hochwaldes, durch den sich die breite Straße in mächtigen, langsam ansteigenden Windungen den hohen, steil aufstrebenden Westerberg hinan schlängelte; dennoch war es noch warm genug, um das Steigen mühselig zu machen. Es war daher ganz natürlich, daß ein Wanderer, wenn auch mit nichts als einer leichten Anhängetasche belastet, an einer Straßenrundung innehielt und aufathmend den weißen Basthut lüftete, um sich die Kühle an die Stirn ziehen zu lassen, welche aus einer kleinen sich eben hier öffnenden Bergschlucht hervorstrich, vermischt mit dem Harzgeruche der im Abendroth stärker ausathmenden Tannen und dem feuchten Wasserdufte des Bergbaches. Aus ansehnlicher Höhe und über eine moosbewachsene Felsplatte glitt dieser in breiten silberblitzenden Strängen hernieder, um sich mit dem andern Wildwasser zu vereinigen, das unten in einem bereits dunkel verdämmernden Tobel dahinsauste, durch sein tief in die Felsen gewühltes Rinnsal den ganzer Westerberg nahezu in zwei Hälften spaltend. Der Ruhepunkt konnte nicht leicht angenehmer gewählt sein. Das Geländer, mit welchem die abschüssige Tiefe umfangen war, bot eine willkommene Stütze; der nach abwärts gewendete Blick weilte behaglich auf dem ruhigen Grün des Waldes und den überwundenen Steilen des Weges,