Chapter

Der Baum der Erkenntnis

In dem halbdunkeln Schlafzimmer stand Ernst Hartwig in seinem grünseidenen Schlafrock und beugte sich über das Bett seiner Frau. »Na, adieu einstweilen, Kleine,« sagte er und strich ihr zärtlich übers Haar, »du kommst bald nach, nicht wahr?« »Ja,« klang es ihm kurz entgegen; die junge Frau lag unbeweglich da, ihr abgewandtes Gesicht in den Kissen vergraben. Hartwig richtete sich auf, trat ans Fenster und zog den Vorhang zurück. »Ja, ich dachte es mir wohl,« sagte er vergnügt, »wir bekommen heute herrliches Wetter. Die Sonne strahlt schon hell über dem Meere.« Aber von dem Bett drang kein Laut, nur die Decke bewegte sich heftig. Hartwig sah unverwandt hinaus. »Das herrliche Meer!« rief er. »O wie ich mich danach gesehnt habe, während ich fort war! So schön wie hier haben wir sicher noch in keinem Sommer gewohnt.« »Na,« fuhr er fort und wendete sich der Tür zu, »sollen wir sehen, wer zuerst angezogen ist, Ingeborg?« »Ja,« erklang es fast unhörbar vom Bett her. Er lächelte und schüttelte leicht den Kopf. Dann ging er hinaus und machte die Tür leise und behutsam hinter sich zu. Noch einen Augenblick lag Ingeborg unbeweglich; dann lief plötzlich ein heftiges Zittern durch ihren Körper – er spannte sich krampfhaft, schnellte etwas in die Höhe wie ein Bogen und fiel wieder schlaff zurück. Nun lag sie, das Gesicht nach oben gerichtet, mit geschlossenen Augen, hastig atmend, da. Wie

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