Der Bauchredner
Ich saß auf dem Molo von Triest, und sah es Abend werden. Der abgeschlossene Himmel kam mir vor wie eine große Taucherglocke, sammt allem in eine unbekannte Tiefe herabgelassen, und in der ich mit saß. Aber wie mir eng um das Herz war, wie es in meinem Magen rief: Brot! und in meinem Gehirn rief: Luft! Licht! so hätt' ich bald die Hand nach dem neben mir hangenden Schiffs-Seil ausgestreckt, wie nach der Klingelschnur, um dem Wächter über mir das Zeichen zu geben, daß er mich sammt der Glocke hinaufzöge in Luft und Licht. Der Bauch lachte. Ich lächelte die Welt an, die bunt schimmerte wie eine Seifenblase. Die zarte Linie, welche blauen Himmel und blaues Meer am Horizonte scheidet, war verflossen in Duft, die goldene Abendgluth glänzte droben und drunten, das Gewölk hing nahe vor mir wie ein Vorhang, den man in den Zwischenacten niederläßt; die Schiffe, die draußen auf der Höhe des noch unangezündeten Leuchtthurms vor Nacht noch den Hafen zu erreichen strebten, kamen mir nur, wie hinter den Wolken daher aus dem Glanz und dem Feuer, oder gar aus der Sonne die sie ausgesetzt hatte, wie kleine sich wiegende Wasservögel oder Meerspinnen vor. Denn die schöne zitternde große Mutter-Sonne, die wie ein ziehender Schwan zur Nachtruhe eingefallen war in den Meerteich, lag so nahe, so nah anschaubar, ja wie erreichbar vor den Augen, daß ein Kind neben mir seinen Vater bat, ein Boot zu