Erster Teil
Durch die friedlichen Straßen eines Gränzstädtchens fuhr heut beim hellen Nachmittagssonnenschein ein stattlicher Reisewagen ein, der im raschen Trabe dem Posthause zurollte, um, wie es schien, nur die Pferde zur Weiterreise zu wechseln. Des Postillons schmetterndes Horn hallte weithin wieder, aber in dem Hause des Posthalters war heut Alles wie ausgestorben. Der Wagen hielt vor der Thür; doch niemand kam heraus, um ihn abzufertigen oder die Reisenden zu empfangen, während sonst eine Extrapost hier etwas so Aufregendes zu sein pflegte, daß Alt und Jung zusammenlief, um seiner Neugier die Zügel schießen zu lassen. Der Postillon spannte indeß seine Pferde aus und führte sie, fluchend über das rätselhafte Stillschweigen, das im ganzen Hause herrschte und in dem sich noch immer Niemand blicken ließ, in den Hof, während die Fremden, die nicht Lust bezeigten auszusteigen, in dem bedeckten und dichtverhüllten Wagen sitzen blieben, um in Ruhe ihre Beförderung durch neue Postpferde abzuwarten. Die sorgfältig verschlossenen Wagenfenster wehrten das Eindringen jedes spähenden Blicks, der sich über die Person der Reisenden hätte unterrichten wollen, obgleich diese Vorsicht, wenn es eine solche sein sollte, in dem abgelegenen Städtchen, das heut aus einem besondern Grunde noch menschenleerer als sonst schien, fast überflüssig war. Nur ein Diener, der seinen Platz neben dem Postillon gehabt,