Erzählungen aus unsrer Zeit
Aus dem Munde eines Toten erzählt. Ich fliege, ich fliege. Endlos von Gestirn zu Gestirn und wage keines mehr zu berühren. Durch eine weite, vage Masse sause ich dahin und erschrecke bei dem Gedanken, dies formlose Wesen, das ich jetzt bin und fühle, könnte wieder in ein bestimmtes enden. Was war ich denn früher, laßt es mich besinnen! Ich habe nur meine Mutter gekannt und gehabt. Mein seliger Vater hing im Bild über dem blauen Sofa in unserm Eßzimmer und lächelte aus einem todgutmütigen Gesicht auf mich herab. Immer, wenn ich als Kind nach ihm fragte, wies meine liebe Mutter sanft lächelnd auf das Bild zu ihren Häupten und sagte: »Das war dein Vater, mein Sohn!« Sie liebte ihn über alle Maßen. Sie saß immerzu unter seinem Bild, das in seinem schwarzen Ovalrahmen an der Tapete hing. Sie sitzt wohl auch jetzt noch dort und denkt an ihn und an mich. Nein! Nicht an mich! Denk nicht an mich, liebste Mutter, hörst du! Ich will nicht mehr auf die Erde gezogen werden. Auch in Gedanken nicht, verstehst du mich? Sie hätte mehrmals wieder heiraten können nach dem frühen Tode meines Vaters. Wenigstens hab' ich das von ihren Schwestern und Verwandten häufig genug erzählen hören. Und ich glaub' es auch. Denn sie war eine hübsche und noch mehr eine zarte und überaus liebevolle Frau. Aber sie wollte nicht wieder heiraten. Sie mochte sich nicht von dem Mann trennen, dessen Bild über und in ihr